Ich bin Shan aus Sri Lanka und möchte gerne hier in Deutschland, z.Zt. in Dresden, die deutsche Sprache erlernen mit dem Ziel, dass ich später eine Ausbildung (als Hotelfachmann) hier in Deutschland machen kann.
Schulbesuch, wie bin ich zum Kolleg gekommen
Jetzt besuche ich den Kästner Kolleg e.V. in Dresden. Sehr, Sehr dankbar bin ich dem Verein um Herrn Kästner, der mir den Besuch der Schule seit 24.09.07 kostenlos ermöglicht. Ich habe nämlich während des Tsunami alles verloren. Diese und andere Kontakte hat Inge vermittelt, eine Frau aus Dresden, die mich bei meinem Aufenthalt hier in Deutschland unterstützt.
Wie gefällt es Dir in Deutschland?
Das Kästner Kolleg ist gut, meine Lehrerin ist nett, auch die Menschen in Deutschland finde ich nett. In Deutschland ist es jetzt sehr kalt, bei mir zu Hause ist es immer sehr warm (ca. 26 °C), niemals kalt. Ich habe noch niemals so starke Kälte gefühlt. Das ist mein erster Besuch in einem andern Land. Aber auch alles ist neu und anders als bei uns.
Interessant finde ich, dass Alkohol in der Straßenbahn erlaubt ist.
Wie bist Du ans Kästner Kolleg gekommen?
Inge hat eine Schule gesucht, wo ich Deutsch lernen kann, und so bin ich hier. Später will ich eine Ausbildung hier in Deutschland machen und vorher muss ich noch sehr, sehr viel Deutsch lernen.
Meine Geschichte:
Ich war ein glückliches Kind. Meine Eltern haben hart gearbeitet und sich etwas aufgebaut, einen Textilladen mit Schneider-Werkstatt am Strand. Dort arbeiteten meine Mama, mein Papa und noch andere Mitglieder der Familie. Ich habe noch zwei Brüder. Ein jüngeren, er ist 15 Jahre alt und einen älteren, er ist 20 Jahre alt.
Dann kam der Tsunami und mit einem Schlag war alles weg; alles was wir hatten und was die Existenzgrundlage für die Familie war; der ganze Laden einfach weg. Auch unser kleines Haus hat viele Schäden abbekommen und alles in dem Haus war zerstört. Von einem Tag auf den anderen hatten wir nichts mehr. Meine Eltern keine Arbeit und kein Geld. Vom Staat haben wir 35,00 € bekommen für drei Monate zum Leben, zur Ernährung für 6 Familienmitglieder. Seitdem arbeiten meine Eltern daran, sich wieder etwas aufzubauen. Von den Spendengeldern aus dem Westen zur Überwindung der Schäden haben wir nicht einen Cent bekommen. Von Privatleuten erhielten wir Hilfe. Als Tsunami-Opfer erhielten wir aber einen Kredit, um ganz langsam wieder alles neu aufbauen zu können und einiges haben wir auch schon geschafft. Und so ist mein Plan gewachsen, unbedingt auch einen Beitrag zu leisten für die Familie. Immer waren meine Eltern für mich da. Und jetzt will ich etwas für sie tun. Für eine Ausbildung in Sri Lanka oder einen Job habe ich kaum eine Chance. Deshalb will ich Deutsch lernen hier und eine Berufsausbildung machen und danach in Sri Lanka einen guten Job finden.
Wie hast du den Tsunami verkraftet?
Ich habe so etwas noch nie erlebt und gefühlt. Als die erste große Flutwelle vorbei war, wollte ich mir alles am Strand ansehen. Ich habe am Strand gestanden und aufs Meer geschaut. Alles am Strand war zerstört: Häuser, Bäume, unser Textilladen stand nicht mehr; alle Sachen waren weg. Das Meer war ganz dunkel und ich wusste nicht, dass das Wasser ist, es sah aus wie eine schwarze Wand. Ich war wie wahnsinnig und mein Gefühl war immer, dass wir jetzt alle sterben müssen. Plötzlich rief mein Onkel neben mir „go“, „lauf schnell weg, so schnell du kannst.“ Und ich lief mit all den anderen Menschen auf einen Berg. Trotzdem kam das Wasser und ich habe immer nur gedacht, alles ist vorbei und ich hatte wahnsinnige Angst. Später habe ich meine Mama und meine Brüder gefunden, meine Mama hat immer geweint, auch weil der Vater nicht da war.
Am 26.12 war Vollmond, ein Feiertag in Srilanka. Deshalb waren alle Läden geschlossen, weil alle in die Tempel gehen, zum Beten und zum Entspannen. Nur deshalb gab es nicht so viele Tote in unserem Dorf. An allen anderen Tagen sind die meisten Leute am Strand oder in Strandnähe, weil sie dort arbeiten. Nur weil Feiertag war, wurden wir gerettet. Ich muss immer wieder daran denken; plötzlich von einer Minute zur anderen hatten wir nichts mehr, kein Geld, keine Arbeit, keine Möbel. Und wir alle hatten furchtbare Angst und konnten nicht dahin zurückgehen, wo wir wohnten, vier Tage lang nicht. Zum ersten Mal sah ich meinen Vater weinen, dass vergesse ich nie. Im Dorf bekamen wie Hilfe und Unterstützung. Immer wieder hatte ich nur das Gefühl, wir müssen alle sterben und hatte so dolle Angst. Ich habe nur gesehen, die Leute schreien und laufen. Wir sind immer gelaufen und das Wasser kam so schnell. Und deshalb, ich muss etwas tun und kann nicht warten.
Shan
Spendenaufruf